Väter

Der gesellschaftliche Wandel macht es notwendig, auch die Rolle der Väter im Kontext der Vereinbarkeit von Familie und Beruf in den Blick zu nehmen. Dies setzt voraus, dass das Vatersein (Familienväter, alleinerziehende oder von der Partnerin und Kind getrenntlebende Väter) stärker in den Blick genommen wird und Väter aktiv in ihrer Rolle unterstützt werden. Dieser Anforderung sieht sich das KIT in seiner Verantwortung als Arbeitgeber und Studienort verpflichtet. Besonders wichtig scheint es daher, Väter zur aktiven Vaterschaft zu ermutigen und für eine grundsätzliche Sensibilisierung für die Thematik zu sorgen.

 

Zusammenfassung des "Väterreport 2021"

Der „Väterreport 2021“ vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) widmet sich jährlich der gesellschaftlichen Stellung von Vätern. Mit Hilfe von Studien, Statistiken oder Bevölkerungsumfragen verschafft er einen guten Einblick in die Erwartungen, Werte und Einstellungen von Vätern in Deutschland. Dieses Jahr wird auch auf den Einfluss der Corona- Pandemie auf die Vaterrolle und das Familienleben eingegangen.

Anfangs zeigt der Report, dass der Wunsch von Vätern eine aktivere Vaterrolle einzunehmen, im Vergleich zu anderen Generationen, steigt. Das ist auch von Bedeutung, da eine aktive Beteiligung des Vaters im Familienalltag einen positiven Einfluss auf das Kind haben kann, beispielsweise auf die Entwicklung des Intellekts, der sprachlichen Entwicklung oder der Empathiefähigkeit. Knapp 45% der Befragten geben an, dass sie sich eine partnerschaftliche Aufteilung bei der Kinderbetreuung wünschen, jedoch setzen dies 17% in Wirklichkeit um. Dies kann verschiedene Gründe haben, zu einem die Stigmatisierung des Mannes als Hauptverdiener und das Fehlen von Vorbildern, an denen man sich orientieren kann. Sowie das Umfeld mit einer teilweise antizipierten Rollenerwartung hat einen negativen Einfluss auf den Wandel der Vaterrolle.

Ein wichtiger Faktor, der Väter dabei unterstützt, ihrer Rolle nachzukommen, ist das Elterngeld und das ElterngeldPLUS mit Partnerschaftsbonus. Diese Mittel helfen Väter, zwar teilweise nur kurz, mehr Zeit mit ihrer Familie zu verbringen. Hier kann man ein weiteres Mal einen Anstieg über die letzten Jahre beobachten, der darauf schließen lässt, dass das Rollenbild des Vaters im Wandel ist. Jedoch gibt es auch hier Hindernisse, und zwar verzichten knapp 50% der Väter auf Elternzeit und Elterngeld, was die meisten mit einem finanziellen Motiv begründen. Man erkennt, dass die Elternzeit nicht grundsätzlich auf Ablehnung trifft, sondern durch äußerliche Faktoren wie Kostenerwägung oder der Organisation erschwert wird. Ebenso wie der Anstieg der Nutzung von Elternzeit, hat auch die Nutzung von Kinderkrankentagen zugenommen.

Auch die Rolle des alleinerziehenden Vaters hat sich über die Jahre positiv geändert. Auch, wenn nach der Trennung nur in wenigen Fällen das Kind beim Vater lebt, bleibt der Kontakt für die Mehrheit erhalten. Studien zeigen, dass Väter heute mehr im Leben ihrer Kinder involviert bleiben als früher.
Als letzter Punkt werden die Auswirkungen der Corona- Pandemie auf das Familienzusammenleben diskutiert. Anfangs dachte man, dass es zu einer Retraditionalisierung der Geschlechterrollen kommt, das Gegenteil war aber der Fall. Man kann zu dem Entschluss kommen, dass das (teilweise unfreiwillige) Arbeiten im Home-Office einen positiven Effekt auf das Familienleben und die Rolle des Vaters hatte. Dies zeigt zu einem, dass 47% der Befragten partnerschaftliche Aufteilung der Kinderbetreuung beibehalten wollen, zum anderen haben 42% der Väter ihren Arbeitsgeber darauf angesprochen, dass sie sich wünschen, dass Arbeitszeit, -ort oder -weise angepasst werden. Der Väterreport sieht die Pandemie- Erfahrung als eine Chance, die Vaterrolle nachhaltig zu ändern und die Familienarbeit partnerschaftlich aufzuteilen.

Abschließend kann man sagen, dass der Drang von Vätern eine aktive Rolle im Familienleben zu spielen stark zunimmt. Dafür muss aber auf der einen Seite die Politik wirksame Rahmenbedingungen schaffen, wie beispielsweise das Elterngeld und die Elternzeit, die dies bereits fordern. Auf der anderen Seite muss sich auch die gesellschaftliche Erwartung ändern, das zeigt sich darin, dass nur ein geringer Anteil der Väter ihre Arbeit langfristig reduzieren. Ein weiteres Ziel sollte sein, die Partnerschaftlichkeit weiter zu stärken, indem man die Elternzeit über das erste Lebensjahr verlängert, beispielsweise durch die Familienarbeitszeit. Der ausführliche Bericht und alle Statistiken sind hier zu finden.

Kampagne „Männlichkeit entscheidest Du“

Was haben Männlichkeitsbilder mit Gewalt gegen Frauen zu tun? Über diese Frage hat der Landesverband Frauenberatung Schleswig-Holstein (LFSH) e.V. mit Männern aus der Region gesprochen. Aus den Gesprächen ist die Kampagne „Männlichkeit entscheidest Du“ entstanden. Aktuelle Beiträge zur Kampagne können auf dem Blog „ab-jetzt.org“ aufgerufen werden.

 

Tabu-Thema: Gewalt an Männern

Das Bundesforum Männer setzt sich für den bundesweiten Auf- und Ausbau von Hilfeeinrichtungen und Beratungsstellen für Männer ein. Die Hemmschwelle bei betroffenen Männern, die unter Partnerschaftsgewalt leiden, sei besonders hoch – darum möchte das Bundesforum Männer das Angebot von Täterberatung und Gewaltpräventionsangeboten weiter stärken und flächendeckend etablieren. Die Online-Plattform männerberatungsnetz.de zeigt hilfesuchenden Jungen, Männern und Vätern die vorhandenen Angebote an Männerberatung auf und bietet Vernetzungsmöglichkeiten an.

 

Männergewaltschutz | Beratung und Schutz für Betroffene

Stehen Sie zuhause unter psychischem Druck, erfahren Sie körperliche Gewalt? Im Frühjahr 2020 wurde in Deutschland das erste Männerhilfetelefon in Betrieb genommen – unter der Hotline können Betroffene mit der Beratungsstelle in Kontakt treten. Die aktuell neun Männer*schutzeinrichtungen bieten Beratungsangebote sowie anonyme Schutzwohnungen für besonders schwer betroffene Männer an – weitere Informationen finden Sie unter maennergewaltschutz.de.